Lauriacum - Enns

Im Namen des heutigen Ennser Stadtteiles Lorch hat sich der antike Ortsname Lauriacum erhalten, der keltischer Herkunft ist und "bei den Leuten des Laurios" bedeutet. Eine daraus abgeleitete vorrömische, latènezeitliche Siedlung konnte bis jetzt archäologisch nicht nachgewiesen werden.

Ausgangspunkt des römischen Lauriacum ist eine kleine Siedlung, Straßenstation und Handelsstützpunkt am Schnittpunkt alter Verkehrswege nach Westen und Osten, aber auch nach Süden über die Alpen zur Adria. Die Anwesenheit von Angehörigen einer Händlerfamilie aus Aquileia ist in der ältesten römischen Inschrift aus Enns aus dem späten 1. Jh. n. Chr. fassbar.

Von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung war die Stationierung der legio II Italica, einer Fußtruppeneinheit mit einer Sollstärke von ca. 6000 Mann. Sie errichtete hier im späten 2. Jh. n. Chr. ihr Standlager, dessen Grundriss die Form eines Parallelogramms mit einer Länge von 539 m und einer Breite von 398 m hat. Die Umfassungsmauer mit ihren vier Toranlagen, vier Eck- und 26 Zwischentürmen sicherte ein vorgelegter Graben. Lauriacum war als Standort einer Legion der wichtigste militärische Stützpunkt an der norischen Donau zwischen Innmündung und Wienerwald und Amtssitz des Statthalters von Noricum. Die Notitia dignitatum, ein spätantiker Amtsschematismus, erwähnt in Lauriacum auch den Kommandanten einer Abteilung der Donauflotte und eine Schildfabrik.

Das Zentrum des zivilen Siedlungsbereiches mit größeren öffentlichen Bauten befand sich unmittelbar westlich des Legionslagers. In den Wohnhäusern waren Verkaufsläden, Magazine und Werkstätten untergebracht. Am Rand lagen villenartige Wohnbauten, im lockerer verbauten westlichen Siedlungsteil gab es Töpfereien und andere Betriebe. Nördlich des Legionslagers reichte die Verbauung bis an die ehemaligen Nebenarme der Donau.

Der hl. Florian, der einzige namentlich bekannte Martyrer Österreichs aus der Spätantike, wurde am 4. Mai 304 mit einem Stein um den Hals von der Ennsbrücke in den Fluss gestürzt, weil er sich standhaft zum Christentum bekannt hatte. Lauriacum war 341 und 378 Aufenthaltsort eines römischen Kaisers (Constantius II. bzw. Gratian).

In der Endphase der Römischen Herrschaft zogen sich die Bewohner von Lauriacum ins geschütztere Legionslager zurück, das so zu einer ländlich geprägten Siedlung innerhalb der wehrhaften Mauern wurde. Diese Situation schildert Eugippius in seiner 511 abgeschlossenen Vita Severini, wo auch Bischof Constantius von Lauriacum erwähnt wird.

Das eindrucksvolle Fundmaterial aus Lauriacum, darunter eine monumentale Bauinschrift des Legionslagers, ein Deckenfresko und ein Silbergeschirrfund, ist im Museum Lauriacum zu besichtigen.